Was ist ein Kurort? Wir erklären die verschiedenen Arten!

Was ist ein Kurort? Wir erklären die verschiedenen Arten!

In diesem Beitrag geht es rund um das Thema Kurort. Dabei gehen wir insbesondere auf die unterschiedlichen Arten eines kurorts ein, wie Heilbad, Luftkurort und Kneippkurort. 

Was ist ein Kurort?

Als Kurorte gelten Gemeinden oder Teile von Gemeinden, die aufgrund ihrer besonderen Tauglichkeit für die medizinische Therapie den entsprechenden Titel erhalten haben. Sie sind ein beliebtes Urlaubsziel für Menschen, die tiefe Entspannung oder Therapien für Körper und Geist benötigen. Dabei kann es sich um spezielle Heilverfahren für das Atemwegssystem, Herzprobleme oder Burnout handeln. 

Anstatt sich eine Kur verschreiben zu lassen, kann man auch als Urlauber einen Aufenthalt an diesen Orten buchen. Neben dem wichtigen Merkmal, dass medizinische Therapien angeboten werden müssen, werden in den Kurorten bevorzugt Naturheilverfahren eingesetzt. Dabei handelt es sich um natürlich vorkommende Heilmittel wie Wasser, Mineralien, Luft und Schlamm. Eine bekannte Anwendung ist die Kneipp-Therapie, bei der die Wirkung von natürlichen Heilpflanzen zum Einsatz kommt. 

Was ist ein Kurort?

Die Zulassung als Kurort erfolgt in Deutschland durch das zuständige Ministerium des jeweiligen Bundeslandes. Touristengemeinden, Erholungsorte und Badeorte an der Küste sind keine Kurorte, sondern werden ebenfalls vom Staat anerkannt. Die Anerkennung als Erholungs- oder Kurort ist in vielen Bundesländern zudem eine notwendige Grundbedingung um Kurabgaben (Kurtaxe) und Tourismusabgaben erheben zu können.

Herkunft der Kurorte

Schon bei den alten Römern wurden heißer Dampf, Mineral- und Thermalquellen zu therapeutischen Zwecken genutzt und erste Bäder gegründet, auch in Deutschland. So etwa in Baden-Baden, dem ehemaligen Aquae.

Die ersten modernen“ Bäder und Kurorte für die Ober- und Mittelschicht der Bevölkerung wurden im 18. Jahrhundert in England gegründet. Richard Russell (1687 – 1759) setzte sich intensiv mit der gesundheitsfördernden Wirkung des Meerwassers auseinander und war einer der Pioniere der Thalossa-Therapie. Er beeinflusste die britische Badekultur in hohem Maße.

Die Entwicklung breitete sich im Laufe des 19. Jahrhunderts auf dem europäischen Kontinent aus, und die Kurregionen wurden zu bevorzugten Treffpunkten der hohen Gesellschaft:

  • Ostseebäder Heiligendamm, die böhmischen Bäder Karlsbad und Marienbad Nassauische Bäder Wiesbaden, Schlangenbad, Bad Ems und Bad Schwalbach 
  • Österreichische Bäder Bad Ischl oder Bad Gastein
Was ist ein Kurort?

Entwicklung der medizinischen Kurorte

In den rasanten und dynamischen Veränderungen in Medizin und Gesellschaft haben sich die traditionellen Heilmethoden, insbesondere in Deutschland, in den letzten 50 Jahren grundlegend verändert. Heute ist die Kur mehr als nur eine auf die „Leiden“ zugeschnittene „Kurkur“ oder „Badekur“. Die Kurheilkunde hat die Kur zu einer standardisierten, komplexen Allgemeinbehandlung entwickelt. 

Die wissenschaftliche Aufklärung der Wirkprinzipien traditioneller Kurmethoden als praktizierende Verfahren der funktionellen und regulativen Ausbildung, der panoramische Wandel von Krankheiten zu chronischen Erkrankungen, die demographische Entwicklung der Altersstrukturen, die zivilisatorischen Veränderungen der Lebens- und Arbeitsformen und die Veränderungen der versicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Durchführung von Kuren im Rahmen der Kostenexpansion im Gesundheitswesen haben aus der traditionellen Kur, die sich zunächst auf den Einsatz von lokalisierten Kurmitteln beschränkte, spezialisierte Verfahren der Prävention und Rehabilitation, einschließlich der Frührehabilitation durch Nachkuren, gemacht.

Die Ausrichtung der modernen Kurmedizin wird heute also durch besondere Aufgaben im Gesundheitswesen und in der Gesellschaft bestimmt: Prävention und Rehabilitation. Bei der Bewältigung dieser fachlichen Aufgaben spielen Trainings- und Aktivierungstherapiemethoden, von der Balneo- und Klimatherapie bis hin zu Bewegungs- und Sporttherapien, eine maßgebliche Rolle. 

Entwicklung der medizinischen Kurorte

Im Selbstverständnis der Bäder und Kurorte wurde die Grundlage der Kur zunächst vor allem durch die speziellen ortsspezifischen Kurmittel gelegt. Heute, im Fortschritt des Wissens, liegt das Wesen der Kur in den aktivierenden und schulenden Kurmethoden. Trotz der grossen äusseren Unterschiede zwischen den einzelnen Therapiemethoden liegt die Klammer, die alle Kuren kennzeichnet, in dem kontinuierlichen therapeutischen Prinzip der Bewegung zur besseren Anpassung. 

Kur ist die Methode; Rehabilitation, Heilung chronischer Krankheiten, Prävention, Gesundheitsförderung und Vermeidung von Pflegebedürftigkeit im Alter sind die Ziele der modernen Kurmedizin. Die Begriffe beschreiben auch die Indikationen für Kurbehandlungen. Diese ambulanten oder stationären Heilmaßnahmen werden in verschiedenen spezialisierten Formen eines heute strukturierten Kurwesens angeboten.

Therapiemethoden an Kurorten

  1. Balneotherapie in den verschiedenen Formen (Bäder und Trinkkuren)
  2. Gezielte Klimabehandlung mit der therapeutischen Nutzung der verschiedenen Klimafaktoren unter Bewegung und Ruhe im Rahmen einer systematisierten aktiven Klimakur
  3. Ergänzende Verfahren der physikalischen Therapie:
    3.1  Hydro- und Thermotherapie in den verschiedenen Formen,
    3.2 Elektrotherapie
    3.3 Licht- und Strahlenbehandlungen
    3.4 Inhalationstherapie
    3.5 Massagen in den verschiedenen Formen
  4. Therapiesysteme nach Kneipp, Prießnitz und Felke, zum Teil abhängig von der Besonderheit des Heilbades
  5. Bewegungstherapie mit Krankengymnastik und Sporttherapie
  6. Gesunde Ernährung und Diätbehandlungen
  7. Entspannungstherapien in den verschiedenen Formen
  8. Gesundheitstraining im Rahmen der psychomentalen Angebote zur Gesundheitsbildung

Welche Arten von Kurorten gibt es?

Die einzelnen Kurorte unterscheiden sich durch ihre Lage und die natürlich vorkommenden Heilmittel. Die folgenden Ausprägungen sind zulässig:

  • Heilbad (z.B. Seebad, Mineralheilbad, Moorheilbad, Thermalbad, Kneippkurort oder Nordseeheilbad)
  • Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb, Heilstollen-Kurbetrieb oder Sole-Kurbetrieb
  • Heilklimatischer Kurort
  • Kneipp-Kurort
  • Seebad (Kurorte an der Küste)
  • Luftkurort

Luftkurort

Das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ ist ein Qualitätssiegel für Kurorte, deren Klima therapeutisch wirksam ist. In Deutschland sind für die staatliche Anerkennung und Prädikation die Kurgesetze der Bundesländer maßgebend. Das Merkmal „Heilklimatischer Kurort“ ist das am weitesten verbreitete Prädikat für Kurorte in Deutschland. 

Welche Arten von Kurorten gibt es?

Um anerkannt zu werden, müssen die besonderen gesundheitsfördernden Eigenschaften durch eine regelmäßig wiederholte Begutachtung dokumentiert werden. Man bezeichnet sie alternativ als staatlich anerkannte Luftkurorte. Die Luft und das Klima spielen in diesen Gemeinden und Gemeindeteilen die bedeutendste Rolle. Um den Titel „Heilklimatischer Kurort“ und „Luftkurort“ zu erhalten, muss ein Ort sehr strenge Anforderungen erfüllen. 

Um die hohen Qualitätsstandards zu gewährleisten, wird die Luftreinheit der Kurorte regelmäßig überprüft. Durch regelmäßige Tests und Studien wird nachgewiesen, dass sie zur Erholung und Gesundheitsförderung beitragen. Luftkurorte bieten in aller Regel nicht die Möglichkeit eines klinischen Kuraufenthaltes. In Luftkurorten steht der Tourismus im Vordergrund und verschafft der Gemeinde die notwendigen Einnahmen, um weiterhin in den Tourismus zu investieren. Die Gemeinden dürfen für Übernachtungen in einem Luftkurort die sogenannte Kurtaxe erheben und verfügen damit über Einnahmen für neue Investitionsvorhaben.

Heilbad

Wenn ein Ort den Titel eines Heilbades erhalten will, muss er über ein gesundheitsförderndes Klima, wissenschaftlich anerkannte therapeutische Maßnahmen und Kureinrichtungen verfügen. Zudem muss sich medizinisches Personal vor Ort befinden und der Ort muss im besten Fall einen Kurpark oder ein kurorttypisches Stadtbild aufweisen. 

In Abhängigkeit von den verwendeten Heilmitteln erhält das Heilbad eine weitere Untergliederung. Ein Moorheilbad bietet etwa Moorbäder als Therapie an. Bei einem Seebad wiederum wird das maritime Klima als Heilmittel genutzt. Daneben gibt es z.B. auch das Mineralheilbad, das Thermalheilbad und das Kneipp-Heilbad.

Welche Arten von Kurorten gibt es?

Kneipp-Kurort

Das wichtigste Merkmal eines Kneippkurortes ist die Anwendung von Kneipp-Wasserkuren. Als Kneipp-Kurorte sind Brilon, Aulendorf und Bad Bodenteich zu nennen. Es gibt auch Kneipp-Kurorte, die die Verfahren der Kneipp-Medizin anwenden. Hierunter fallen Bad Camberg, Bad Endbach und Bad Fredeburg. Die Kneipp-Kurbäder sind Heilbäder, die Kneipp-Kurorte sind es jedoch nicht.

In der Kneipp-Therapie kann grundsätzlich zwischen Therapieschwerpunkten, in denen der Patient behandelt wird, und Therapieleitlinien unterschieden werden, die der Patient – unter mehr oder weniger persönlicher Anleitung – letztlich eigenverantwortlich erfüllt.

In der Kneipp-Kur kommen die fünf so genannten Kneipp-Therapie-Säulen zum Tragen:

1. Therapie der Ordnung

Der Pfarrer Kneipp hatte sich bereits beruflich mit der Aufgabe auseinanderzusetzen, die Fragen seiner Gemeindemitglieder nach der Gestaltung ihres Lebens, nach der Sinnfindung und der Integration in gegebene Prozesse zu beantworten und ihnen Hilfe im Leben zu geben. Zusammen mit seiner guten Beobachtungsgabe und seinen Interpretationen der Entwicklung von Gesundheitsstörungen entstand sein Buch „so sollt ihr leben“. Die in diesem Buch vorgestellten Zusammenhänge lassen sich heute als Psychohygiene und Erziehung zu einer ganzheitlichen natürlichen Lebensordnung unter Berücksichtigung psychosomatischer, ökologischer und soziologischer Zusammenhänge beschreiben. Die Ordnungstherapie ist eine Anleitung mit dem Ziel einer verbesserten Gesundheit, d.h. einer ausreichenden geistigen und körperlichen Belastbarkeit.

Kneipp-Kurort

2. Thermohydro-Therapie

Ausgehend von eigenen Erfahrungen mit Tauchbädern in der kalten Donau, die noch irritierender sind als die Übergussmethode, beispielsweise nach Prießnitz, distanzierte sich Kneipp in der Folge von solchen anstürmenden thermischen Reizen. Im Laufe seiner Erfahrungen testete er seine schleichenden „weichen“ Anwendungen, die er schließlich in dem Buch „Meine Wasserkur“ zusammenfasste. Bereits zu Kneipps Lebzeiten wurde eine hochdifferenzierte Spezial-Hydrotherapie im Sinne einer abgestuften, d.h. individuell an die Konstitution und Disposition des Patienten angepassten Reiz-Reaktions-Methode entwickelt. Dabei war und ist Wasser der Vermittler thermischer und mechanischer Reize auf den Organismus mit anschließend therapeutisch erwünschten Reaktionen. Heute gibt es mehr als 120 verschiedene Anwendungen der Kneipp-Hydrotherapie.

3. Bewegungstherapie

Ursprünglich führte Sebastian Kneipp die Bewegungstherapie nur als natürliche Methode zur Erwärmung des Gewebes in Vorbereitung auf die anschließende Wassertherapie ein, die eine Beschränkung auf kurze Distanzen zum Tränkungsraum erforderte. In praktisch allen Bädern und Kurorten, auch in den Kneipp-Kurorten, werden inzwischen auch andere Formen der Bewegungstherapie angeboten, wie Gymnastik, Krankengymnastik, Wandern, Geländekuren, Bewegungsparcours, Radfahren, Schwimmen, Bewegungsbäder, Walking-Training, Jogging bis hin zu Nordic Walking und Mountainbiking. Sie sollen dem ungesunden Bewegungsmangel des modernen Menschen entgegenwirken. Die ursprüngliche Kneippsche Bewegungstherapie mit Holzhacken und gymnastischen Übungen ist damit zu einer umfassenden aktiven und passiven Bewegungstherapie mutiert.

Arten von Kurorten

4. Ernährungstherapie

Eine ausgewogene Ernährungstherapie im Sinne einer natürlichen Vollwerternährung, die geeignete Vollkornprodukte, frische Nahrungsergänzungsmittel, Milchprodukte, Vitamine, Mineralsalze, Enzyme und Spurenelemente berücksichtigt und alle denaturierten Lebensmittel und Genussgifte weitgehend eliminiert, gehört zum ordnungspolitischen Therapieansatz eines gesundheitsbewussten Tagesablaufs. Sie kann als eine Grundform für inzwischen entwickelte spezielle Ernährungsformen (Kranken-, Reduktions- und Schonkost) angesehen werden, die sich an den weit verbreiteten Risikofaktoren der hochkalorischen Mangelernährung orientieren.

5. Phytotherapie

Sebastian Kneipp war kein Apotheker, sondern ein aufmerksamer Zuhörer, der vor allem die ländlichen Hausmittel der Kräutertees, die beruhigend oder anregend, entwässernd oder verdauungsfördernd wirken, aufnahm und aufschrieb. Daraus hat sich die pflanzliche Wirkstoffanwendung (Phytotherapie) entwickelt, die heute im Sinne der Verwendung geprüfter Heilmittel auf pflanzlicher Basis breit dokumentiert ist und neben der Allopathie, bei der auch synthetisch hergestellte Wirkstoffe eingesetzt werden, ihren Platz als sinnvolle medikamentöse Therapie bei chronischen Beschwerden hat.

Quellen: Kneipp.com, Kneippverband.de, Heilpraktiker.de

Heilanzeigen der Kneipp-Heilbäder und Kneipp-Kurorte
Quelle: Lebenshilfe Seesen

Heilanzeigen der Kneipp-Heilbäder und Kneipp-Kurorte

Entsprechend den oben genannten therapeutischen Pfeilern stehen diese Anwendungen an der Spitze der Liste: 

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen funktioneller und nicht-entzündlicher organischer Art mit Ausnahme von schweren Ruhedekompensationserscheinungen, Nachbehandlung von Herzinfarkt, Blutdruckanomalien, Arteriosklerose, Venenerkrankungen und postthrombotischen Zuständen.
  • Vegetativ-nervöse Funktionsstörungen, psychovegetative Syndrome, psychosomatische Versagenszustände. Unterstützende Behandlung von psychischen und neurologischen Erkrankungen.
  • Abhärtung und allgemeine Leistungssteigerung, vorbeugende Behandlung von Erkältungsanfälligkeit, vorzeitigem Konsum und Alterungserscheinungen.
  • Organische und funktionelle Störungen und Restinsuffizienzen der Verdauungsorgane (Magen, Darm, Leber, Gallenblase, insbesondere chronische Verstopfung).
  • Stoffwechselstörungen (unterstützende Behandlung von Diabetes mellitus und Fettleibigkeit).

Da die Definitionen des Deutschen Heilbäderverbandes für Kneipp-Kurorte und Kneipp-Kurorte in Bezug auf die klimatischen Verhältnisse auch weitgehend die Bedingungen der Luftkurorte und damit die dort unverzichtbaren Geländekurwege vorschreiben, werden weitere Anwendungen  in die therapeutischen Indikationen aufgenommen:

  • Chronische Atemwegserkrankungen.
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (nicht entzündlicher Gelenk- und Muskelrheumatismus, Arthrose und Wirbelsäulensyndrome).
  • Postoperative Zustände aus den Bereichen Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie.

Seebad

Die zugänglichen Küsten wurden stets als weit anregende und belebende Orte angesehen, wobei die Meeresluft als vorteilhaft angesehen wurde, insbesondere dort, wo kühle Brisen mit drückender städtischer Hitze kontrastierten. Charakteristisch für Seebäder ist die Nutzung des Meeresklimas für medizinische Therapien.   Darüber hinaus müssen sie natürlich über Einrichtungen verfügen, die die Therapien anbieten und professionell durchführen. Besuche an der Küste wurden lange Zeit wegen ihrer heilenden Kräfte empfohlen, sowohl durch das Entweichen aus dem städtischen Chaos als auch durch die Vorzüge von Meeresluft und Salzwasser.  

In den Seebädern sind auch die Badekultur und der Badetourismus von großer Bedeutung. Mehrere Küstenstädte blühten auf, nachdem sie ausgewählt worden waren, um zu Orten zu werden, an denen die hohe Gesellschaft ihre Gesundheit wiedererlangen könnte. Heutzutage haben sich diese Regionen von der ausschließlichen Nutzung der Eliten bis hin zu für alle zugänglichen Gesundheitszielen ausgedehnt. Es gibt zwei Arten von Badeorten:  Ostseebad und Nordseebad. Die bekanntesten deutschen Ostseebäder sind Göhren, Damp und Binz. Als Nordseebäder sind beispielsweise Hörnum und Kampen auf Sylt sowie Wremen im Landkreis Cuxhaven zu nennen. Ein Seebad kann gleichzeitig auch ein Kurort sein. Dann wird es Nord- und Ostseeheilbad genannt.

Welche Arten von Kurorten gibt es? - Heilbad & Seebad

Heilklima (Orotherapie)

Voraussetzung für die staatliche Anerkennung als heilklimatischer Kurort ist die spezifische therapeutische Wirksamkeit des lokalen Klimas, die durch Studien belegt ist. Der dafür ausgebildete Kurarzt (mit speziellen ökologischen Kenntnissen und seiner medizinischen Erfahrung) kann die Klimabelastung – wie ein Medikament – dosieren. 

Dies beinhaltet einerseits

  • die mildernden Faktoren, insbesondere die Luftreinheit bei weitgehender Abwesenheit von natürlicher und vor allem anthropogener Verschmutzung, um auf der anderen Seite
  • Stimuli (physikalische und/oder chemische „Reize“), die je nach Art und Intensität des Reizes, der Anwendungszeit und -reihe körperliche Reaktionen auslösen und Funktionen stärken.

Das in Deutschland und Mitteleuropa am häufigsten für therapeutische Zwecke eingesetzte Klima ist das Mittelgebirgsklima, das üblicherweise auch ein Waldklima ist. Der Wald hat eine natürliche Filterfunktion. Auch für Ozon gilt dies. Deshalb ist der O3-Gehalt in Wäldern auch in Gebieten mit hoher Ozonbelastung geringer als in offenen Gebieten. Außerdem sind die täglichen und jährlichen Temperaturzyklen im Waldklima ausgeglichener, was bedeutet, dass die Wärmebelastung des Körpers geringer ist. 

Bereits ab einer Höhe von 400 Metern über dem Meeresspiegel sind Inversionswetterlagen und thermische Belastungen deutlich weniger häufig. Dies bedeutet, dass Patienten mit schwereren Erkrankungen oder schwereren Stadien, insbesondere in der Phase der Rekonvaleszenz (d.h. der funktionellen Wiederanpassung zu therapeutischen Zwecken), in diesem Klima in einer rational begründbaren, biometrisch signifikanten und klinisch relevanten Weise behandelt werden sollten.

Die Klimatherapie stimuliert jedoch gleichzeitig mit den natürlichen atmosphärischen Faktoren

  • Lufttemperatur (ähnlich der Thermotherapie in der Hydro- und Balneotherapie),
  • Luftfeuchtigkeit,
  • Wind,
  • Strahlung (Infrarot-, sichtbares und UV-Licht),
  • Chemie (Aerosol, Sauerstoffpartialdruck).

Die höheren Mittelgebirge und das Meer („Thalassotherapie“) stimulieren

  • Atmung,
  • Kreislauf (Herz, Gefäße und Blutkreislauf),
  • Stoffwechsel und das Neuro-Endokrinium und
  • Immunsystem.

Der Kurarzt kombiniert diese dosierte Klimatherapie in der Regel mit der notwendigen permanenten Pharmakotherapie, die qualitativ und quantitativ an die Expositionstherapie angepasst werden muss (und umgekehrt), sowie mit anderen Methoden der Physikalischen (wie Aerosoltherapie, Physiotherapie, Bewegungstherapie, Massage, Hydrotherapie) und Psychotherapie (chirurgische Eingriffe sind an diesen Orten manchmal möglich [Beispiel: Kardiochirurgie], aber ursprünglich nicht vorgesehen).

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